11.02.2027
Thu 11:00 — 13:00
Description - EN
Cologne’s Old Town, the Cathedral, and the Hohenzollern Bridge with its equestrian statues, as well as the Cuirassier Monument in Deutz, are undoubtedly among the most photographed sights in our city. Are these merely historical decorations, silent witnesses to a bygone era, or can these monuments and memorials also be interpreted as a continuation of ideologies such as militarism, nationalism, colonialism, and National Socialism into our urban present?
The completion of Cologne Cathedral—which had been a neglected construction site for five hundred years—was viewed by the Protestant Prussian rulers as the erection of a national monument. The Hohenzollern Bridge was built in 1911 as a vital military crossing over the Rhine and as a railway bridge for rapid troop transport. The flanking equestrian statues still depict the Prussian kings and emperors in a military-authoritarian style. Not least because of his responsibility for German colonial crimes, the monument to Wilhelm II is regularly the target of activist paint attacks and is the subject of urban policy debates. Even Cologne’s Old Town is by no means merely a relic of the Middle Ages; rather, it was shaped by radical urban planning interventions during the Nazi era. The redevelopment served to displace the poorer or Jewish residents living there and to restructure the area in accordance with a Nazi-inspired vision.
The exhibition grounds on the right bank of the Rhine, built in 1920, later served the Nazis as a “Messelager”—a collection and detention camp for Cologne citizens destined for deportation.
In this project, we aim to give voice to these “silent” witnesses—in the truest sense of the word. We will use storytelling techniques, record sounds on site, and draw on the sound studio and the full spectrum of auditory expression to reflect on the city’s history and stories in the form of audio walks, sound collages, monologues, or radio plays—fictional yet faithful to the sources and based on facts: What might the Hohenzollern Bridge be able to tell us today about itself and its history? Is it pleased with the many love locks? What would Wilhelm II regret if he were to dismount from his warhorse? How does the Old Town experience the many tourists and the drunken bachelor parties, and how does it understand its own history? And much more.
Beschreibung - DE
Die Kölner Altstadt, der Dom und die Hohenzollernbrücke mit ihren Reiterstandbildern sowie das Kürassier-Denkmal in Deutz gehören wohl zu den meistfotografierten Motiven unserer Stadt. Sind dies nur historische Dekorationen, stumme Zeugen einer vergangenen Zeit, oder können die Denkmäler und Monumente auch als Fortschreibung von Ideologien wie Militarismus, Nationalismus, Kolonialismus und Nationalsozialismus in unsere urbane Gegenwart gelesen werden?
Die Fertigstellung des Kölner Doms, der fünfhundert Jahre lang eine vernachlässigte Baustelle gewesen war, wurde von den protestantischen preußischen Herrschern als die Errichtung eines nationalen Denkmals verstanden. Die Hohenzollernbrücke wurde 1911 als wichtige militärische Querung des Rheins und als Eisenbahnbrücke für schnelle Truppentransporte errichtet. Die flankierenden Reiterstandbilder zeigen nach wie vor die preußischen Könige und Kaiser in militärisch-autoritärem Pathos. Nicht zuletzt wegen seiner Verantwortung für die deutschen Kolonialverbrechen wird das Denkmal von Wilhelm II. regelmäßig Ziel aktivistischer Farbanschläge und ist Gegenstand stadtpolitischer Diskussionen. Selbst die Kölner Altstadt ist keineswegs nur ein Relikt des Mittelalters, sondern war im Nationalsozialismus von radikalen städtebaulichen Eingriffen geprägt. Die Umgestaltung diente der Vertreibung der dort ansässigen, ärmeren oder jüdischen Bevölkerung und der Umstrukturierung des Raums zugunsten einer nationalsozialistisch geprägten Vorstellung des Mittelalters. Das rechtsrheinische Messegelände, 1920 erbaut, diente den Nationalsozialisten später als „Messelager“ – als Sammel- und Gefangenenlager für zur Deportation bestimmte Kölner Bürgerinnen und Bürger.
In diesem Projekt wollen wir die „stummen” Zeugen – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Sprechen bringen. Wir werden die Techniken des Storytellings nutzen, vor Ort Töne aufzeichnen, das Tonstudio und das gesamte Spektrum auditiver Ausdrucksmöglichkeiten einsetzen, um in Form von Audiowalks, Klangkollagen, Monologen oder Hörspielen Stadt-Geschichte(n) fiktional, aber quellennah und faktenbasiert zu reflektieren: Was würde die Hohenzollernbrücke heute alles über sich und ihre Geschichte erzählen können? Freut sie sich über die vielen Liebesschlösser? Was hätte Wilhelm II. zu bedauern, wenn er von seinem Schlachtross steigen würde? Wie erlebt die Altstadt die vielen Touristen und die betrunkenen Junggesellenabschiede und wie versteht sie ihre Geschichte? Und vieles mehr.
11.02.2027
Thu 11:00 — 13:00
